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Einen guten Arbeitgeber erkennen

Geschrieben am 04. Feb 2009 von Cem Derin

Heute stolperte ich über einen Artikel von Christoph Vollmann, der sich darüber auslässt, dass man heutzutage “kein vernünftiges Personal” findet. Das erinnerte mich dann direkt an meine eigenen Erfahrungen, die ich bei meinem Jobwechsel vor ein paar Monaten noch machen durfte.

Vorab: Ich halte mich jetzt mal ganz unvoreingenommen für einen der “Guten” ;-)

Christophs Aussage wird durch meine Erfahrung unterstrichen, die ich vor ein paar Monaten während meiner Bewerbungsphase machen durfte. Ich wollte aus verschiedenen Gründen in einem anderen Unternehmen unterkommen und habe mir zunächst nur Firmen in meinem näheren Umfeld (<20km) ausgesucht und ausschlielich eMail-Bewerbungen abgeschickt. Schon kurz nachdem alle Bewerbungen weg waren, habe ich das für zu wenig gehalten, und hab ich mich auf die Suche nach mehr Adressen gemacht.

Aber so war es nicht. Offensichtlich war meine Skillmap sowie mein mitgeschickter Quelltext (eine kleine Anwendung die übliche Design Pattern nutzte – das war wirklich nur zum zeigen, dass ich weiß wovon ich rede) ziemlich beeindruckend. So gut wie alle Unternehmen haben sich sehr schnell bei mir gemeldet, wollten mich am liebsten gestern schon zum Bewerbungsgespräch eingeladen haben und belagerten mich teilweise regelrecht.

Die Bewerbungsgespräche verliefen alle sehr ähnlich. Zunächst das übliche Geplänkel, der Drift auf’s Fachliche – alles recht gut gemeistert. Ich habe halt Glück, dass ich schon mehr als nur einmal auf der anderen Seite saß und somit kaum nervös war und wusste, worauf geachtet wird. Darüberhinaus habe ich mein Gegenüber dann auch mit einer Reihe von Fragen malträtiert, die den ein oder anderen Personaler dann doch als Technikniete entlarvte.

Dann folgte überall das gleiche. Sofortiges Vertragsangebot, wesentlich mehr Gehalt als als Verhandlungsbasis angegeben hatte und das Drängen zum sofortigen Unterschreiben. Das ich nicht das erstbeste angenommen habe ist selbstverständlich. Für welches Angebot ich mich dann entschieden habe, ist mit ein bisschen detektivischem Spürsinn auch schnell herausgefunden (und es war monitär nicht einmal das beste).

Mit anderen Worten: Als PHP-Entwickler mit Wissen, Background und Erfahrung hat man gute Karten auf dem Arbeitsmarkt. Kann man das ganze auch noch belegen, wird man nicht das geringste Problem haben, eine Anstellung zu finden. Das ist aber auch genau der Knackpunkt: Wie erkenne ich als Entwickler einen guten Arbeitgeber? Ich möchte hier meine Erfahrungswerte teilen und euch ein paar Hinweise auf den Weg geben, wobei ich ausdrücklich darauf hinweise, dass man in letzter Instanz immer seinen eigenen Kopf benutzen muss.

Als wichtigstes Instrument hat sich der eigene Fragebogen herausgestellt. Neben ein paar Fragen zum Ausschmücken und um seinen Gegenüber offener gegenüber des durchaus ungewohnten Rollentausches zu stimmen (Betriebsgröße, typische Kunden, Gleitzeitregelung, Urlaubsregelung, etc), sollte man ein paar gezielte, sehr ins Detail gehende Fragen anbringen und hier peinlich genau auf die Reaktion achten. Die Frage ob ein “heterogene IT-Infrastruktur” in dem Unternehmen herrscht, wird in den meisten Fällen schon einmal dafür sorgen, dass ihr erfahrt, ob ich einen Techie oder einen Personaler vor euch sitzen habt. Wenn es zwei sind, wisst ihr jetzt mit Sicherheit, wer der Techie ist (sind wir doch ehrlich: Die erkennt man doch sofort ;-) ).

Auch die Frage nach eingesetzten Programmiersprachen, Frameworks, Versionskontrollsoftware, Web- und Datenbankserversoftware mit Clustering oder ohne, nach der Standard-IDE, ob man sich sein Betriebssystem aussuchen darf und all sowas wird nicht nur dafür sorgen, dass Ihr selbst als jemand anerkannt werdet, der Ahnung von dem hat, was er da sagt, sondern wird das Gespräch auch schnell auf einen Bereich bringen, wo ihr zu Hause seid. Dabei darf man aber nie Vergessen: Hat man keine oder nicht ausreichend Ahnung von einem bestimmten Thema, sollte man das auch nicht anschneiden – schon gar nicht um besser da zu stehen, als man ist!

Werden diese Fragen alle mit einem Schulterzucken und unfachlichen Antworten abgetan und nie der Vorschlag gemacht, jemanden aus der Technik dazuzuholen, dann kann man sich diesen Arbeitgeber in der Regel schenken. Ihr werdet mir sicherheit der beste Techie in dem Laden sein. Mit Pech aber auch der Einzige.

Das nächste Kriterium: Die Ausstattung. Schaut euch von der Tür bis ins das Büro, wo das Gespräch stattfindet unbedingt genau um. Sind die Büros vollgestopft? Sitzten alle zusammengefercht vor Röhrenmonitoren? Gibt es Pflanzen, Poster oder andere auflockernde Elemente? All das kann eine Menge darüber aussagen, wie das Klima dort ist. Spricht auch diese Atmosphäre an, sollte das als Pluspunkt verbucht werden. Dazu muss aber gesagt werden: Abendsonne im Sommer und Nachmittagssonne im Herbst lässt sogar die schlimmste Bruchbude idyllisch erscheinen ;-)

Macht das Büro einen tollen Eindruck, seinen die Mitarbeiter denen ihr über den Weg gelaufen seid symphatisch zu sein und verläuft das Gespräch aus fachlicher Sicht nicht schlecht, nehmt euren Gespröchspartner in puncto Verhalten unter die Lupe. Wie oft schaut er in eure Bewerbungsunterlagen? Dauert das Gespräch länger als die 15-Abkanzel-Minuten und er schaut kaum rein: herzlichen Glückwunsch, du scheinst ein Wunschkandidat für die Stelle zu sein. Keine Schlechte Vorraussetzung für ein angenehmes Arbeitsumfeld.

Und der letzte Tipp, den ich schon bei meinen ersten Zeitungsausträgerjobs beherzigt habe: Ist euch euer zukünftiger Chef, der Personaler oder wer auch immer das Gespräch mit euch führt unsymphatisch: Vergesst es. Dieser Eindruck wird euch nicht täuschen und wenn ihr die Stelle trotzdem annehmt, werdet ihr früher oder später eure Abneigung nicht mehr Unterdrücken können. Und nicht ist schlimmer für einen Entwickler als etwas, dass ihm seine Konzentration raubt …

Geschrieben in Interna 3 Kommentare

#001
08. Feb 2009

Vorweg: Freut mich, dass jemand mal über meine Artikel stolpert.

Ich möchte auch kurz noch meine letzte Berwerbungs-Erfahrung niederschreiben:

Meine Bewerbungsunterlagen wurden ganz am Ende einmal betrachtet. Da ging es allerdings dann wirklich nur noch um die entsprechenden Referenzen.

Viel wichtiger erschien (auch dem Personalchef, der “wenigstens” etwas technikaffin war) ihnen, was auf meiner alten Homepage alles gemacht war. Damals war es ein Gespräch über RSS (zu der Zeit eine relativ neue Technik) mit der ich anderen Webseiteninhalte auf meine aggregiert habe (FAZ.net usw.).

Es hat mir gezeigt, dass sie ein hohes Interesse an meiner Arbeit haben und sie durchaus beeindruckt waren. Aber es hat auch gezeigt, dass sie mit solch simplen Merkmalen zu beeindrucken waren. Es hätte mir zeigen sollen, dass ich dort nicht viel weiter komme. Ich habe es trotzdem gemacht und es hinterher schon bereut. Mittlerweile bin ich ja drüber hinweg.

Von einem Bewerber würde ich auf jedenfall Quelltexte sehen wollen. Aber viel wichtiger wäre mir, was er für Ideen entwickelt, um ein Problem zu lösen. Das ist während eines Bewerbungsgesprächs eher schwierig.

Ob jemand perfekt programmieren kann ist fast schon zweitrangig dem gegenüber, welche Ideen er entwickeln kann.

Kleine Schwachstellen in den Programmierkentnissen sind kein Problem, keine Ideen zu haben ein Riesiges!

37signals sagt u.a. auch dazu “Hire a good writer” (unbedingt lesen!).

Grüße,
Christoph

P.S.: Über nen Trackback hätte ich Deinen Artikel schneller gefunden, so hat mir erst Analytics einen Hinweis gegeben :)


#002
08. Feb 2009
unset

Bzgl. Pingback: Eigenartig, das sollte bei WordPress-Blogs automatisch passieren.

#003
17. Feb 2009

[...] ein paar Tagen habe ich davon berichtet, wie man einen guten Arbeitgeber erkennt erkennen könnte. Viel Resonanz kam da nicht (außer von Chrisoph, auf den ich eigentlich mit dem Artikel reagiert [...]

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theme von mir, software von wordpress, grid von 960 grid system. funktioniert in allen browsern, aber der safari bekommt das mit der schrift am schönsten hin.