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Die Sache mit dem Vertrauen in den Entwickler

Geschrieben am 29. Apr 2009 von Cem Derin

Ich habe heute einen sehr interessanten Blogartikel gelesen. Der erste ist von Tim: Er plaudert eigentlich nur ein bisschen über Twitter, wie er es benutzt und was er davon hält. Nichts weltbewegendes eigentlich. Der wirklich interessante Aspekt ergab sich erst in den Kommentaren. Ich gab meinen Senf dazu, und erzählte, dass Twitter für mich mehr oder weniger die nächste evolutionäre Stufe dessen darstellt, was ich früher mit dem IRC gemacht habe: In Kontakt mit Gleichgesinnten bleiben. Ich bin immer schon mehr der Freund von “öffentlichen” Runden als von “direktem” Kontakt gewesen. Sprich, ich hab es lieber mit Mehreren gleichzeitig zu reden – so ergeben sich eben viel interessantere Diskussionen. Aber ich schweife ab … Tim jedenfalls kam mit dem Aspekt, dass diverse Dinge am Computer ablenken.

Wie ihr den Kommentaren entnehmen könnt, habe ich meinen Twitter-Client den ganzen Tag an. Daheim ist es noch schlimmer: Ich habe nicht nur meinen Twitter-Client laufen, sondern auch meinen Mail-Client, meinen Instant Messenger, mein Audioscrobbler (das die ganze Zeit growlt) und ein paar weitere Programme, die laufend Meldungen von sich geben. Stört mich das? Nein. Ich bin in der Lage schnell erkennen zu können, ob es sich um relevante Informationen handelt – und das ohne mich ablenken zu lassen. Das ist aber auch gar nicht der Punkt.

Denn selbst wenn ich mich davon ablenken lassen würde, so halte ich es für äußerst wichtig – nein, fast schon notwendig, dass ich die Freiheit habe, während der regulären Arbeitszeit “privaten” Beschäftigungen nachzugehen. In Anführungszeichen deshalb, da ich mich den ganzen Tag eigentlich so gut wie mit nichts anderem als Softwareentwicklung beschäfte. Der allergrößte Teil meines Feedreaders besteht aus technischen Blogs. Wirklich komplett themenfremde Dinge sind vielleicht mal das kurze prüfen der Sendungsverfolgung oder eben das bereits erwähnte Twittern.

Warum ich das für mich wichtig halte und warum ich das eben nicht für (schädliche) Ablenkung halte? Im Grunde ganz einfach: Ich persönlich bin ein Mensch, dessen Gedanken oftmals so schnell kommen wie sie verschwinden. Das bedeutet nicht, dass ich den ganzen Tag parallel an 20 Aufgaben arbeite und alle paar Minuten hektisch den Arbeitsplatz wechsle. Das heißt vielmehr dass ich zum Beispiel in dem einen Moment überlege, wie ich eine komplizierte Datenbankstruktur aufbaue, mir während dessen aber unwillkürlich die Frage in den Kopf schießt, ob das Konzert dass ich besuchen wollte dieses oder nächstes Wochenende ist. Würde es mir nun verboten sein, kurz die Seite der auftretenden Band anzusurfen um mich zu vergewissern, wäre ich wirklich abgelenkt. Die Frage würde mich immer wieder heimsuchen.

Sicherlich, das ist ein ganz persönliches Phänomen. Ich bin auch jemand, der gerne Musik beim arbeiten hört – mögen andere wiederum nicht. Ich bin jemand, der Stress und Druck mag. Ich kann auch ohne arbeiten, aber ich fühle mich mit besser. Auch hier kenne ich niemanden, der diese Vorliebe mit mir teilt. Sicherlich sehe ich das in 15 Jahren auch ganze anders. Der eigentliche Punkt auf den ich Hinaus will ist aber, dass ich mich den Tag über oft mit “privaten” Dingen beschäftige – auf der anderen Seite meine Arbeit trotzdem pünktlich abliefere. Und ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass ich sie sogar pünktlicher erledigen kann. Und genau das ist ein Verrauen, dass man einem Entwickler entgegen bringen muss: Dass er weiß, wie er seine Arbeit zu erledigen hat. Dass man ihm nicht in seinen Job reinredet, dass man ihm nicht verbietet seine privaten Mails außerhalb der Pause zu prüfen oder Musik-CDs mitzubringen. All sowas eben.

Bevor jemand auf falsche Ideen kommt: Ich bin derzeit nicht in einem Arbeitsverhältnis, in dem mir ein solches negatives Verhalten entgegen gebracht wird. Aber ich habe schon für Unternehmen gearbeitet, die in puncto Misstrauen und Kontrolle der Stasi dem BKA in nichts nachstanden. Ich hoffe, der ein oder andere Waszusagenhaber ließt mit und denkt mal darüber nach …


#001
30. Apr 2009

Interessanter Artikel und ich kann dir großteils zustimmen bei dem, was du sagst.

Bei der Arbeit die Möglichkeit zu haben kurzzeitig privaten Dingen nachzugehen halte ich für ziemlich wichtig. Wie du schon geschrieben hast wäre man ansonsten bei einfachen Fragen schnell dauerhaft abgelenkt. Das ist mir z.B. in den ersten Wochen meiner Ausbildung des öfteren passiert, da ich zu diesem Zeitpunkt einfach noch unsicher war und alles für mich Neuland, weswegen ich mich sowas einfach noch nicht getraut habe.

Inzwischen höre ich Musik, checke Mails, etc. Alles, was eben schnell geht und mich nicht von der Arbeit abhält. Teilweise geht es auch nicht anders, z.B. wenn ich eine interessante Seite finde. Früher habe ich mir die Links immer per Mail geschickt, jetzt speichere ich sie schnell bei Delicious. Oder ich stoße auf ein interessantes Blog. Dann abonniere ich den Feed eben schnell in meinem Feedreader.

Ich wage sogar zu sagen, dass ich in der Arbeit von meinen privaten Machenschaften profitiere. Finde ich während meiner privaten Entwicklung etwas, was ich in der Arbeit brauchen könnte, kann ich durch die heutigen Möglichkeiten auch von der Arbeit aus bequem darauf zugreifen.

Es hält sich also alles irgendwo die Waage. Klar ist aber auch, dass man in der Arbeit nicht zuviel Zeit mit privaten Dingen verbringen darf. Twitter, Mails, Feeds. Das sind alles Dinge, die schnell gecheckt werden können. Aber allzu viel mehr sollte es auch nicht sein.


#002
30. Apr 2009

War es nicht auch mal bei Google so (bzw. ist es immer noch), das Mitarbeiter 20% ihrer Arbeitszeit für private Projekte verwenden konnten. Meine ich zumindest mal gehört zu haben: http://googleblog.blogspot.com/2006/05/googles-20-percent-time-in-action.html

Ist vielleicht etwas extrem – aber prinzipiell eine gute Idee. Bei geschäftlichen Projekten steht man zumeist unter Zeitdruck, bzw. hat recht enge Vorgaben. Bei mir persönlich ist/war es so, dass ich in der Regel das meiste bei privaten Projekten gelernt habe. Da kann/konnte ich verschieden Sachen ausprobieren und auch mal über den Tellerrand schauen. Dieses neue Wissen bringe ich dann wieder ins Geschäft ein.

Von daher stimme ich deinem Artikel vollkommen zu und meine auch, dass private, bzw. tagesgeschäftsfremde Aktivitäten in einem gewissen Rahmen einen Entwickler durchaus weiterbringen können.


#003
30. Apr 2009

Der Artikel hat mich inspiriert, ebenfalls etwas zu diesem Thema zu verfassen: http://www.ein-einfaches-cms.de/privates-im-geschaft


#004
30. Apr 2009

Du bist nicht allein, ich habe extra einen Monitor nur für “Infos”, sprich Instant Messis (Skype, ICQ, MSN), Mail, IRC, Tweetdeck, RSS-Reader :X

ach noch was: Nur unter Druck entstehen Diamanten *50centinsPhrasenschweinwerf*


#005
30. Apr 2009

Hey unset, danke für den Comment, hab tatsächlich keinen Trackback erhalten: Klasse Artikel.

Es stimmt, das interessante am Bloggen sind eigentlich die Kommentare… Ich hab dadurch schon so unglaublich viel gelernt und freue mich immer über andere Sichtweisen.

Übringens beschäftige ich mich auch neben den Laufenden Projekten mit privaten Dingen, die meist mit Gaming zu tun haben – bin halt leidenschaftlicher Zocker ;) Und zu meinen abonnierten Feeds: Von 50 Feeds sind ca. 5 über Gaming und Fun, etwa 10 rund um Mac und der Rest Webdev & Co – Insofern eigentlich auch mehr Weiterbildung als Freizeit ;)


#006
02. Mai 2009
ThomasK

Echt ein super Artikel!

Ich bin auch der Meinung dass private Dinge während der Arbeitszeit nicht verboten werden sollten. Bin zwar noch im Studium, arbeite aber gerade in einer IT Firma an meiner Diplomarbeit. Im Vergleich zur Zeit in der Uni mache ich da zwar weniger privates aber wie schon im Artikel beschrieben sollte jeder selbst herausfinden wie sehr es einen ablenkt und ob man trotzdem weiter produktiv arbeiten kann.

Für alle die noch nen gutes Tool suchen das einem bei neuen Mails, IM, twitter u.a benachrichtigt, guckt euch mal http://www.Digsby.com an.
Man braucht da zwar noch einen extra Account, profitiert dadurch aber auch wieder. Alle IM und Mailaccounts etc. und das komplette aussehen ist auf jedem PC dann gleich.

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theme von mir, software von wordpress, grid von 960 grid system. funktioniert in allen browsern, aber der safari bekommt das mit der schrift am schönsten hin.