// der php hacker

// archiv

Von Nazis, Hackern, Datenschutz und Differenzierungen

Geschrieben am 29. Dez 2009 von Cem Derin

Die Nachricht schlug mal wieder ein wie eine Bombe: Hacker knacken Nazi-Flirtbörse und stellen Benutzerdaten ins Netz (sinngemäß). Ob man nun eher Links angehaucht ist oder nicht, eigentlich hat jeder der selbst keiner ist ein Problem mit Nazis. Insofern war der Zuspruch auf die Nachricht im Netz auch zunächst einmal positiv. Gute Sache. Toll. Epic Win! Ich persönlich bin der selben meinung gewesen. Dann aber huschte dieser Tweet von Evelyne durch meine Timeline:

leute vom #26c3 habt ihr sie noch alle? ne seite hacken ist eine sache, aber daten der benutzer ins netz stellen? so viel zum datenschutz

Mhm. Irgendwo hat sie doch Recht. Setzt man sich doch für Datenschutz ein, will dem Staat keinen uneingeschränkten Zugriff auf sein digitales Bewegungsmuster gestatten. Wettert gegen die Datenkrake, weint aber rum, wenn die Suche mal down ist. Ich bin jemand, der seine Ansichten gerne mal hinterfragt. So auch in diesem Fall. Darf man sowas?Nach reiflicher Überlegung: Ja, darf man. Ich würde es als einen Fall von “digitaler Notwehr” bezeichnen. Lässt man Menschen mit rechtsextremen Gedankengut Freiraum, so macht man sich indirekt schuldig für das, was dieses anrichtet. Was das ist, kann man so gut wie täglich in der Zeitung lesen: Da werden “Schwarzafrikaner” die eigentlich Italiener sind totgeprügelt, da werden Brandsätze auf Asylbewerberunterkünfte geworfen, da werden Menschen an der freien Entfaltung Ihrer Persönlichkeit gehindert, weil Ignoranz und Fremdenhass wie Gift dem nach Polarisierung lechzenden Mob entgegengespuckt wird. Ich persönlich möchte mich dafür nicht verantwortlich zeichnen.

Die Welt ist nun einmal nicht schwarz und nicht weiß, die Welt ist nach wie vor ein Sammelsurium von vielen verschiedenen Grautönen und man muss jeden Schritt den man tut, jeden Gedanken den man denkt und jede Meinung die man hat immer wieder neu bewerten und kann keine Schablone anwenden. Tut man das doch, hat man einen Punkt erreicht, den man guten Gewissens als “geistigen Stillstand” bezeichnen kann. Damit will ich keinesfalls sagen, dass Leute, die sich negativ über die Verbreitung der oben genannten Daten äußern dem entsprechen. Was ich aber damit sagen will: Man kann nicht mit einer- oder zweierlei Maß messen. Man braucht für jede Situation ein neues.


#001
29. Dez 2009
Martin

Nein, es ist absolut nicht okay. Oder willst Du jetzt sagen, jeder der dort angemeldeten User ist ein krimineller Straftäter der andere menschen verletzt und/oder ermordet?

In dem Falle würde ich die Aktion auch nicht ablehnen, aber wirklich nur in dem Falle.

Es ist einfach eine Arschlochaktion, meine privaten Daten (auch wenn sie hier nicht betroffen sind) gehören mir und sollten nicht von irgendwelchen Technikverliebten Vollhirnis (die im normalen leben zuwenig Anerkennung bekommen) ins Netz gestellt werden.

Einfach eine Scheiss Aktion.

Übrigens, der mittlere Absatz ist ziemlich unreflektiert…


#002
29. Dez 2009
evelyne

Der Chaos Computerclub Deutschland steht für die Bewahrung des Datenschutzes der Republik Deutschland. Nachdem nun die Daten des gehackten Portals von selbigen auf der 26c3 ins Netz gestellt wurden, dann frage ich mich wie ein Andreas Bogk (Geschäftsführer vom CCC), sollte er bei einem Interview darauf angesprochen werden, das rechtfertigen möchte. Ob er das persönlich nun gut heißen mag oder nicht, denn in dem Moment wo der CCC auf der offiziellen Webseite den Dump zur Verfügung stellt, steht der CCC auch für solche Vorgehensweisen. Vorgehensweisen, die sie in Diskussionen gegenüber der Regierung vereiteln. Sie haben sich mit dieser Aktion mehrfach ins Bein geschossen, denn spätestens jetzt werden sie von vielen Politikern erst recht nicht mehr ernst genommen. Zurecht!

Ich hoffe daher, dass die Daten baldigst wieder aus dem Netz verschwinden!

Zweierlei Maß, für jede Situation ein neues? Das was du geschrieben hast grenzt meiner Meinung nach schon an Selbstjustiz, denn wer darf entscheiden, wann Ausnahmen getroffen werden dürfen? Wenn im Gesetzestext steht, dass einem Sexualstraftäter bis zu fünf Jahre Haftstrafe ins Haus stehen, dann gilt für ihn die Todesstrafe, wenn er dein Kind mißbraucht hat? Oder wie? Man kann nicht mit mehreren Maßen messen, wenn es darum geht eine allgemeingültige Regel aufzustellen, denn sonst könnte kein Gesetz funktionieren. Genauso muss sich das auch beim Datenschutz verhalten!

Hast du eigentlich schon einmal daran gedacht, dass dort Leute registriert sind, die nicht gewusst haben, dass es sich um eine rechtsradikale Seite handelt? Hast du daran gedacht, dass dort Menschen registriert sind, die sich dort nur zum Spaß registriert haben, um ein paar Nazis zu ärgern? Hast du schon einmal daran gedacht, dass sich dort Menschen mit Emailadressen registriert haben, die deinen Namen beinhalten könnten? Ich registriere jetzt mal einfach die Emailadresse cem.derin2010@gmx.de und melde mich bei ein paar rechtsradikalen Seiten an und warte auf die nächste CCC Veranstaltung und frage dich danach wie es dir geht, weil dein Name mit diesen Seiten in Verbindung gebracht wird. Ok?

Ich habe vor zwei Wochen einen Artikel geschrieben (ich hab ja eigentlich keinen Blog, aber weil mir das auf der Seele lag, hab ich schnell einen für diesen Artikel installiert) http://blog.wie-ich.bin.at/ -die Daten, die ich dort veröffentlicht habe sind legitim, da jeder Facebook Benutzer nachvollziehen kann, was ich dort geschrieben habe und es Beweise und Screenshots dazu gibt. Aber in diesem konkreten Fall gibt es eben keine Beweise, dass diese Personen tatsächlich etwas mit Rechtsradikalismus zu tun haben und daher ist diese Aktion mehr als Scheiße.

Ich hatte den CCC für intelligenter eingeschätzt…


#003
29. Dez 2009
Cem Derin

@Martin: Ich habe nicht behauptet, dass jeder der dort angemeldet ist ein Krimineller ist. Ich habe gesagt, dass jemand, der solch ein Gedankengut vertritt für Ignoranz, Intoleranz und durchaus auch körperlich schädigende Handlungen an anderen steht oder zumindest damit sympathisiert. Und von unreflektiert musst du mir als technikverliebtem Vollhirni, der im normalen Leben offensichtlich nicht genug Anerkennung bekommt nichts erzählen, mein Bester. Jeder weitere Kommentar mit Wegwerf-Adresse wird im übrigen abgelehnt. Du willst dich an der Dikussion beteiligen? Nicht anonym!


#004
29. Dez 2009
Cem Derin

@Evelyne: Zum einen ist der CCC ja kein Haufen gleich denkender und gleich handelner Personen. Wie in jedem Kollektiv gibt es verschiedene Strömungen und Meinungen. Dass das ganze unter dem Hut des CCC stattgefunden hat, sorgt natürlich dafür, dass man annehmen kann, dass die Herrschaften das dort für gut heißen. Aber der CCC steht auch für freie Information und gegen Zensur. Also kann jeder erst einmal alles dort unterbringen. Wie ein Vorstand nun persönlich und/oder offiziell dazu steht, ist ja erst einmal eine ganz andere Geschichte. Ein Statement fände ich allerdings auch interessant.

Dass die Daten verschwinden werden ist natürlich so gut wie unmöglich. Die Dumps wurden bereits mehrfach gespiegelt und finden sich auch mehrfach in Torrent-Netzwerken. Das ganze “ungeschehen” zu machen ist somit also schon so gut wie unmöglich.

Den Selbstjustiz-Vorwurf muss ich mir allerdings verbitten! Auch unsere Gerichte entscheiden jedes mal mit neuem Maß – oder warum wird ein Mörder ohne Reuhe härter bestraft als einer mit Reuhe? Warum wird jemand, der in Notwehr einen Menschen getötet hat freigesprochen, obwohl er doch einen Menschen getötet hat? Natprlich sind hier Rahmen vorgegeben, die sich evtl. mit Mustern vergleichen lassen. Aber hier wird eben auch nicht zwischen Schwarz und Weiß unterschieden sondern jedes mal neu bewertet – sonst bräuchten wir ja auch keine Gerichte mehr.

Was das fäschen meiner Online-Identitä angeht: Das ist mir schon mehrfach passiert und ist mir nie zum Verhängnis geworden. Auch wenn ich jetzt sicherlich als Homosexueller gelten müsste, der sich gerne auf Parkplätzen trifft. Oder als Stalker, der seinen Schulschwarm in diversen VZ-Netzwerken belästigt. Man kann hier idR glaubhaft nachweisen, dass man nicht diese Person ist. Aber das ist doch auch gar nicht das Problem.

Alles andere ist, wie so oft, Ansichtssache. IMHO jedenfalls.


#005
29. Dez 2009
evelyne

Selbstjustiz habe ich auf folgendes Statment von dir bezogen:

“Nach reiflicher Überlegung: Ja, darf man.”

Und nein, darf man nicht. Wer gibt dir das Recht zu entscheiden, dass man gerade diese Daten veröffentlichen darf? Das würde bedeuten, dass Gesetze und Entscheidungen darauf basierend nach Gut dünken und persönlicher Einstellung entschieden werden dürfen.

Du kommst erst gar nicht in die Lage etwas nachzuweisen, wenn dich die Firma bei dem du dich beworben hast erst gar nicht zu einem Vorstellungsgespräch einlädt, weil sie nach deinem Namen gegoogelt hat und du auf einer Seite aufscheinst, die mit rechtsradikalem Inhalt in Verbindung gebracht wird.


#006
29. Dez 2009
Achim

Eine Gegenfrage (die mir ebenfalls bei Lesen der Meldung gekommen ist):

Ist es okay, eine Sicherheitslücke zu verschweigen? Auch die Seite “Harzflirt” war bei den gehackten Seiten dabei – ich Tippe mal über eine XSS Lücke im Nachrichten-System, die ich schon vor zwei Jahren entdeckt hatte… Und ich hatte sie nicht gemeldet, weil es mir irgendwie zu blöd war. Hätte ich es tun sollen, als ein Verfechter des Datenschutzes? Hatte jedenfalls für einen kurzen Moment Gewissensbisse.


#007
29. Dez 2009
Cem Derin

Dahingehend hast du natürlich Recht. Das ist meine persönliche Einstellung dazu die – ggf. – nicht Deckungsgleich mit der aktuellen Rechtsprechung ist. Aber: Das ist das eindringen in Fremde Computersysteme auch nicht. Und das hast du doch offensichtlich toleriert – oder zumindest ignoriert. Da kann ich dich auch fragen, woher du dir dieses Recht hernimmst!

Zum letzten Punkt: Ich kenne das Problem und ich bin auch schon in der Situatiobn gewesen. Und: Die beiden oben genannten Beispiele sind auch nicht die Einzigen! Aber: Zumindest ich bin im Netz ja recht viel unterwegs und mir auch bewusst, dass ich Spuren hinterlasse. Wenn ein potentieller AG nicht bewerten kann, was echt und was nicht ist, dann hat er diese Informationen entweder nicht einzusetzen oder kommt für mich ohnehin nicht in Frage. Vielleicht bin ich in der luxeriösen Position das so zu sehen, aber was soll ich dazu anderes sagen?

@Achim: Ich jedenfalls mache das immer.


#008
29. Dez 2009
evelyne

Ich toleriere das Eindringen in fremde Systeme nur dann, wenn man Sicherheitslücken aufzeigen möchte oder (wie in diesem Fall) Informationen erlangen möchte, die förderlich bei der Auflösung von (möglichen) Verbrechen sein können. Ich sag mal, dass bei Profilunterschriften wie “Heil Hitler” dieser Tatbestand schon gegeben ist, zumindest wäre das in Österreich der Fall und würde mit (ich glaube) bis zu fünf Jahren Haft geahndet.

Wäre es nicht zweckmäßiger gewesen dieses Portal einfach nur zu hacken, die Daten zu saugen und anonym der Kripo weiterzuleiten?

@Achim: Da es dazu wohl kaum ein Gesetz geben wird, muss das jeder selbst mit seinem Gewissen vereinbaren. Ich würde meinem Nachbarn schon sagen, wenn er den Schlüssel an der Türe stecken hat lassen. Aber nicht dem Nachbarn mit Stahlkappenschuhen und weißen Schnürsenkeln.


#009
29. Dez 2009
Cem Derin

@Evelyne: Und somit differenzierst du selbst nach gut dünken. Du tolerierst eine Straftat, für die es im Übrigen keine Legitimierung für Nicht-Strafverfolger gibt, weil du es für “in Ordnung” hälst. Insofern liegen wir da ja gar nicht soo unterschiedlich.

Und was die weißen Schnürsenkel auf Stahlkappenstiefel angeht: Als Freund der Skinheadszene möchte ich dich darauf aufmerksam machen, dass das nichts mit der politischen Einstellung zu tun hat ;)


#010
29. Dez 2009
evelyne

Das wird aber auch vor Gericht so gehandhabt, denn wie du schon erwähnt hast wird ein Mord aus Notwehr anders bewertet, als ein vorsätzlicher. Das Hacken dieser Plattform wurde einzig mit einer bösen Absicht durchgeführt, nämlich dem nachfolgenden Publizieren der Benutzerdaten. Denn was werden jetzt wohl die Leute mit den Daten machen? Man wird ihnen wohl kaum eine nette E-Card mit einem Blumenstrauß und Glückwünschen schicken. Deswegen toleriere ich das in diesem speziellen Fall nicht. Anders wäre es gewesen, wie oben schon erwähnt, hätte man die Daten der Kripo weitergeleitet.

Das weiß ich und habe ich auch nicht behauptet, aber möchte erwähnen, dass ich noch nie einen Skinhead kennengelernt habe, der nicht rechtsradikal gewesen wäre und/oder ein erhöhtes Agressionspotential gehabt hätte. Meine Aussage basiert auf meiner Erfahrung und so lange mich die nicht das Gegenteil lehrt, so lange werde ich mich von Skinheads fernhalten.


#011
29. Dez 2009

“Man kann nicht mit einer- oder zweierlei Maß messen. Man braucht für jede Situation ein neues.”

Mit dieser Aussage führst du die Sippenhaft wieder ein. Deine privaten Daten sind plötzlich öffentlich im Netz zugänglich? Selber schuld, was meldest du dich auch bei StudiVZ an?
Das Hacken einer Webseite ist die eine Sache. Das kann ich in weiten Teilen noch verstehen und unterstützen. Zumindest sofern daraus Lehren gezogen werden und die Verantwortlichen nicht schlichtweg vorgeführt werden.
Die aus so einem Hack gewonnen Daten jedoch willkürlich und wahllos zu veröffentlichen, ist völlig inakzeptabel.

Wir sehen das Recht uns frei zu bewegen als durch das Grundgesetz verbrieftes Grundrecht an. Dieses Grundrecht kann uns nur von einem Richter nach einer Verhandlung genommen werden.
Viele Internetnutzer, vor allem diejenigen die sich jetzt mit diesen Hack brüsten, möchten den Datenschutz und das Recht auf informelle Selbstbestimmung ebenfalls als Grundrecht sehen. Aber was machen sie? Sie spielen sich als Richter auf und entziehen anderen dieses Grundrecht. Was kommt dann als nächstes? Ich sperre meinen Nachbarn im Keller ein weil er ein Nazi ist? Ich knöpfe meinem anderen Nachbarn 15 Euro ab weil er im Parkverbot stand?

Hier wird gerade Selbstjustiz verübt. Mit dem Totschlagargument “Aber das sind doch Nazis” kann man dann jede Handlung rechtfertigen. Man kann Nazis verprügeln, man kann “Kauft nicht bei Nazis ein” auf Schaufensterscheiben schreiben, man kann Nazis dazu zwingen Armbinden zu tragen und man kann Ehe zwischen Nazis und Nicht-Nazis verbieten.
Huch, das erinnert uns an etwas? Ja genau, es sind die gleichen Argumente mit denen die Nazis die Juden verfolgt haben. Verfolgt und bekämpft sie weil sie sind was sie sind.

Und genau das ist das was mich an der Linken Szene in den letzten Jahren sehr erschreckt. Es wird immer deutlicher das diese sich auf dem gleichen Niveau bewegt wie die, die sie zu bekämpfen meinen. “Nazis raus” unterscheidet sich nämlich in nichts von “[Türken|Juden|Ausländer|Muslime|Informatiker|PHP-Freaks] raus”.
Du meinst bei Nazis wäre das alles OK weil sie Brandanschläge verüben und Menschen auf offener Straße verprügeln? OK, dann darf man getrost auch die Rote Flora in Hamburg stürmen, die sich dort befindlichen Personen verprügeln und anschließend das Haus anzünden. Denn die autonome Linke Szene unterscheidet sich von der rechten mittlerweile nur noch in den Wörtchen “links” bzw. “rechts”.

Wenn du also meinst das dass Faustrecht, das Recht des Stärkeren, keine so schlechte Option ist. Wenn du meinst man darf das weil man es kann und irgendwie sind die anderen doch die Bösen, dann wundere dich doch bitte nicht wenn du demnächst einen Faustschlag mit eben jener Begründung ab bekommst.

Man hätte mit den Daten besseres machen können als sie plump im Netz zu veröffentlichen. Ob man die Daten nun der Justiz übergibt (was nicht viel bringen würde, sind sie doch illegal gewonnen worden) oder sie anderweitig verwenden (z.B. ist einer der derjenigen in meinem Umfeld [social Network o.ä.] vertreten).
Wenn wir selbst Mördern, Vergewaltigern und Kinderschändern ein Mindestmaß an Grundrechten zusichern, dann sollten wir uns auch weiterhin daran halten und nicht in eine Gesellschaft abdriften in der das Recht des Stärkeren und reine Willkür herrschen.


#012
29. Dez 2009
Cem Derin

@Evelyne: Gerne stelle ich dir Skinheads vor, die alles andere als Aggressiv, dumm, rechts oder sonst irgendwas sind, was sie von dir oder mir unterscheidet! Aber ich kann schon nachvollziehen: Manchmal muss man auch Vorurtiele haben, bevor man keines hat.

@Ralf: Ich führe gar nichts ein, ich gebe hier nur meine persönliche Meinung kund, die – und das ist doch das schöne – niemandem gefallen muss. Die Aussage die du mir da andichtest würde ich auch so nie treffen! Und das du hier Freiheitsentzug auf eine Stufe mit der Verlertzung des Datenschutzes stellst, disqualifiziert – leider – auch deine restlichen Aussagen. Obwohl ich diesen durchaus etwas abgewinnen kann bzw. sie sogar vehement unterstütze. So zum Beispiel: “Nazis raus” beispielsweise ist eine für mich nicht haltbare Parole. Denn wenn man “Nazis raus” sagt, muss man ja auch die Frage “Wohin denn?” beantworten können. Und damit wird einem die Tragweite eigentlich bewusst: Man fordert hier deportation. Zumindest könnte man das glauben, die meisten, die diese Parole skandieren meinen es wahrscheinlich nicht einmal so – aber das macht es ja nun auch nicht wirklich besser.

Trotzdem bitte ich dich, mir keine Aussagen in den Mund zu legen, die ich schlicht nicht getroffen habe. Vom “Recht des Stärkeren” redest allein du! Dass jemand körperlich zu Schaden kommt habe ich, sogar im Eingangstext, explizit verurteilt. Generell empfehle ich dir bei diesem Thema etwas mehr Dikussionskultur. Mir ist bewusst, dass das ein aufreibendes Thema ist, aber ich kann hier auch einfach dicht machen – ich würde mich aber freuen, wenn man das ganz vernünftig dikustieren könnte!


#013
29. Dez 2009
evelyne

Genau das wollte ich mit meinen Statements u.a. ausdrücken, hab aber heute aufgrund eines Katers und zu wenig Schlaf leider leichte Kommunikationsschwierigkeiten :)

Bzgl. der Übergabe der Daten an die Polizei: Sie können zwar nicht genau diese Daten vor Gericht verwenden, aber sie können sie sehr wohl verwerten, um weitere Informationen zu erlangen.


#014
29. Dez 2009
Jakob

Ich habe Zweifel, dass das mit dem anonymen Weiterleiten an die Kripo (rein rechtlich) immer funktioniert. Ich habe das gemacht, dabei ging es aber um ein schwerwiegenderes Thema.

Ich habe die Zugangsdaten zu einigen E-Mail-Accounts weitergeleitet, womit man Zugang zu Beweismitteln und zu privaten Dokumenten zur Identifizierung des Nutzers hatte. Darf die Polizei in einem solchen Fall auf die (privaten) E-Mails zugreifen? Ich bin der Meinung, dass sie es nicht darf.


#015
29. Dez 2009
evelyne

Du willst nicht, dass man dir etwas in den Mund legt, was du nicht gesagt hast, dann tu das aber selbst bitte auch nicht :)

Ich habe nie gesagt, dass alle Skinheads rechts oder agressiv sind, sondern mich von diesen fernhalte, weil mir meine Erfahrung gelehrt hat, dass das in den meisten Fällen wohl besser ist. Das nenne ich Selbstschutz. Bedanken kannst du dich dafür bei den rechtradikalen und/oder agressiven Skinheads, die jedes Jahr wieder auf illegalen Hitler-Treffen aufgegriffen werden oder wieder mal einen wehrlosen behinderten Buben zum Spaß zu Tode geprügelt haben.

Und warum du jetzt Ralf ansteigst ist mir völlig unklar. Er hat dir weder etwas unterstellt, noch ist er dir feindlich gegenüber getreten. Das tust du aber gerade ihm gegenüber. Mir hast du unterstellt Vorurteilen zu haben – also wie jetzt? Du darfst, weil es dein Blog ist?


#016
29. Dez 2009
Cem Derin

@Evelyne: Du hast im vorletzten Kommentar von dir gesagt, dass du persönlich keine Skinheads kennengelernt hast, die nicht rechtsradikal oder ein erhähtes Gewaltpotential haben. Ich habe dir lediglich angeboten, dir solche Vorzstellen. Wo habe ich dir etwas in den Mund gelegt – außer vielleicht, dass ich noch “dumm” mit dazu genommen habe. Aber das geht ja irgendwie mit der verbreiteten Meinung einher.

Ralf “steig” ich auch nicht an, falls du das damit meinst, was ich darunter verstehe. Ralf unterstellt mir (indirekt) dass ich Leuten selbst die Schuld daran gebe, wenn sie sich irgendwo anmelden, und diese Daten dann pötzlich öffentlich werden. Später behauptet er, ich meine dass “Faustrecht” und “Das Recht des Stärkeren” gangbare Wege wären. Das habe ich nie gesagt oder gemeint. Im Gegenteil! Am Ende wird mir noch angedroht, mich bitteschön nicht zu beschweren, wenn ich eins auf die Mappe bekomme. Das ist keine Diskussion, das ist angepflaume, und das will ich hier schlich nicht.


#017
30. Dez 2009
d^

Wie die Leute immer schnell die “Meinungsfreiheit”-Kappe aufsetzen. Sorry, Nationalismus und rechtsradikales Denken ist für mich keine Meinung, auf keinen Fall kann und will ich das tolerieren. Man merkt ja auf Fotos wie gewaltbereit einige davon sind: Posen mit Schusswaffen sind kein Einzelfall.
Sorry, aber da seh’ ich schwarz.


#018
31. Dez 2009

Das Einzige was ich Cem ein wenig übel nehme, ist der Vorwurf der mangelnden Diskussionskultur. Wir können uns gerne auf einen DiskussionsSTIL einigen (z.B. Bitte nur Wattebäuschen werfen), jedoch jemanden fehlende Kultur anzukreiden weil er eine andere Art hat, finde ich wenig kultiviert.
Eine Diskussion ist wie ein Fußballspiel. Manche gehen etwas härter ran, andere taktieren mehr. Aber nach dem Schlusspfiff sollten alle in der Lage sein gemeinsam ein Kaltgetränk genießen zu können. In diesen Sinne bitte nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen oder es als bitterbösen persönlichen Angriff sehen.

Sicherlich unterstelle ich dir das eine oder andere. Nicht im dem Sinne als das du es selber tun würdest, aber immerhin vertrittst du diese Meinung und unterstützt somit das Handeln anderer.
Wenn ich bestimmte Computerkenntnisse habe die andere nicht haben, dann befinde ich mich in der Position des Stärkeren. In gewisser Weise entsteht somit eine gewisse Macht. Ein schlauer Spruch besagt “Aus großer Macht entsteht große Verantwortung”. Kann man Webseiten hacken und Daten stehlen, dann hat man die Macht damit anderen Schaden zuzufügen. Wer diese Macht missbraucht, erfüllt die Definitionen des Faustrechtes. Etwas anderes wäre es, würde man die Daten z.B. der Justiz (oder einer anderen Institution) überlassen.
Weder Faustrecht noch “Recht des Stärkeren” hat zwangsweise etwas mit körperlicher Gewalt zu tun. Das du körperliche Gewalt unterstützt, wollte ich dir nicht unterstellen. Tut mir leid falls ich mich da falsch ausgedrückt habe. Der “Faustschlag” in meinen ersten Kommentar war eher bildlich gemeint, hätte besser in Anführungszeichen stehen sollen.

Bzgl. Freiheitsentzug: Stell dir vor deine Daten wären mit Foto im Netz zugänglich gemacht worden und man würde dir unterstellen du wärst ein Kinderschänder. Ob das stimmt oder nicht, ob es widerlegt wird oder nicht, dein Leben würde sich von Grund auf verändern. Unter Umständen soweit, dass du dein Haus/Wohnung nicht mehr gefahrlos verlassen kannst. Dies ist auch eine Art des Freiheitsentzuges. Du kannst dich nicht mehr frei bewegen ohne das du Angst haben musst angegriffen zu werden.
Freiheitsentzug bedeutet nicht unbedingt das man im Gefängnis landet. Freiheit bedeutet z.B. auch das man seinen Beruf frei wählen kann. Oder das man sich seinen Wohnort frei wählen kann. Freiheit kann man auf verschiedene Arten entziehen bzw. einschränken.

Solch eine Brandmarkung wie sie jetzt geschehen ist, kann für einige schlimmer sein als Freiheitsentzug. Wenn jemand wegen dieser Veröffentlichung der Daten z.B. seine Arbeit verliert, dann entzieht man ihm damit ein großes Stück seiner Freiheit. Deswegen sehe ich diesen Vergleich als gar nicht so weit hergeholt.


#019
31. Dez 2009
Cem Derin

@Ralf: Bezüglich Diskussionskultur und -Stil habe ich mich in der Tat verhaspelt. Du hast Recht, in der Tat geht es mir um den Stil. Ich bin normalerweise auch nicht ein Freund von butterweichen Diskussionen und falschem Händeschütteln. Aber ich habe es ja bereits gesagt, bei diesem Thema ist es vorprogrammiert, dass die Gemüter überkochen. Das wird dann in angezicke und persönlichen Angriffen enden. Das will ich halt nicht. Ich hoffe, dass kommt jetzt richtig an. Den Fußballspielvergleich finde ich übrigens sehr treffend!

Die Herleitung was ich unterstütze und was nicht kann ich so allerdings nicht unterschreiben. Ich finde es gut, dass diese Flirt-Seite und der Versand “gehackt” wurden, ja. Ich sympathisiere mit der Veröffentlichung der Daten. Ich hätte es zwar selbst nie getan, aber ich finde es “in Ordnung”. Ob man das tut oder nicht, muss man am Ende ja mit sich selbst aus machen. Das sehe ich ähnlich wie bei (auch nicht immer legalen) Protesten gegen Aufmärsche von (Neo-)Nazis (ich wehre mich gegen den verschönenden Begriff “Rechtsradikale”): Ich selbst würde mich nicht in die Reihen stellen und die Gefahr der körperlichen Konfrontation eingehen, aber ich finde es gut, wenn Menschen das tun. Nicht gut finde ich, dass dabei auch Unschuldige zu leiden haben (durch zu Bruch gegangenes Eigentum von Fremden). Und auch bei dieser Aktion finde ich es nicht gut, dass evtl. auch unschuldige nun darunter zu leiden haben, die sich tatsächlich angemeldet haben, ohne zu wissen, was das eigentlich für eine Seite ist. Wobei ich an dieser Stelle auch sagen muss, dass man schon mit geschlossenen Augen und Ohren durch dieses Thema wandeln muss, wenn man nicht erkennt, dass es sich um eine Nazi-Flirtbörse oder eine Nazi-Marke handelt. An der Stelle, und das kann man mir nun sicherlich auch übel nehmen, muss ich leider sagen: Selbst schuld. Selbst schuld? Naja, blöderweise ist auch das nicht so einfach zu sagen. Ist der “Schwarzafrikaner” selbst Schuld, wenn er durch eine “national Befreite Zone” geht, und dort Krankenhausreif geschlagen wird. Weil er es nicht wusste. Weil er es nicht wissen konnte? Ich würde sagen nein. Schwierig zu sagen, wann man mit welchem Maß messen muss. Aber auf beide Situationen das gleiche Anzuwenden, dagegen wehre ich mich.

Bzgl. der Rufschädigung habe ich mich ansonsten ja bereits mehrfach hier im Thread geäußert.


#020
01. Jan 2010

Meine Meinung: Nein, darf man nicht.
Selbst wenn jeder User dort sich irgendwie strafrechtlich betätigt, hat sicher niemand vom CCC Ankläger, Richter und Vollstrecker in einer Person zu sein. Ein ganz wenig sollte man sich doch vom braunen Mob abheben und dazu gehört halt auch das vollständige Bekenntnis zum hier geltenden Recht. Nach dem handelt es sich bei dem Vorgnag halt um ein strafrechtlich relevantes Vergehen.
Erinnert sich einer von euch noch an den schwarzen Politiker aus dem Osten wo es einen großen Aufschrei gab, als die NPD vor der Bundestagswahl 2009 Adressdaten veröffentlicht hat?
Aber nein, der CCC darf natürlich analog vorgehen und dabei der gute sein… -.-

// kommentieren

// senden
theme von mir, software von wordpress, grid von 960 grid system. funktioniert in allen browsern, aber der safari bekommt das mit der schrift am schönsten hin.