Geschrieben am 16. Dez 2009 von Cem Derin
Mit geübtem Auge kann man es vielleicht schon am Titel erahnen: Ich mag Headhunter nicht. Überhaupt nicht. Am schlimmsten finde ich die, die ihrer Tätigkeit als Agenten nachgehen. Und als Jemand, der Software entwickelt und im Internet präsent ist, wird man sozusagen von Headhuntern belagert. Damit Ihr nicht unbedingt auf solche Leute reinfallt und damit ich mal ein bisschen Galle spucken kann, will ich mal ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern.
Für die, die nicht wissen, was ein Headhunter ist oder ich damit meinen könnte: Headhunter sind Menschen, die versuchen fachlich qualifizierte und passende Menschen in ihr oder das beauftragende Unternehmen zu holen. – so jedenfalls die Theorie.
Zurück zu meinem Rant: Das erste mal in Kontakt mit einem Headhunter bin ich gekommen, als ich mein XING-Profil das erste mal komplett ausgefüllt habe. Wenige Tage später erhielt ich einen Anruf auf der Arbeit(!). Die Person gab sich als ein Kunde der Firma aus, für die damals gearbeitet habe und ließ sich zu mir durchstellen. Als er mich dann an der Strippe hatte, ging es ohne Umwege direkt zum Kern der Sache: “Sind die zufrieden in ihrem Unternehmen?”. Zu dem Zeitpunkt war ich das und lehnte das Angebot für ein persönliches Gespräch dankend ab. Mächtig Stolz war ich. So hat ein anderes Unternehmen einfach so interesse an mir gezeigt. Wow, und das, als die Arbeitslosenzahlen (mal wieder) einen Höchststand markierten.
Es dauerte eine Weile, und dann kam schon der nächste … oder eher DIE nächste. Das Schema blieb das selbe: Mit Tricks und Schummeleien zu mir durchgestellt werden und dann die Katze aus dem Sack lassen. Es wurde nervig. Aber es war auch noch im Rahmen … immerhin war da so etwas wie ein persönlicher Kontakt. So sollte es nicht bleiben.
Kurze Zeit später trudelten mehr und mehr ungefragte eMails, Kontaktanfragen und ähnliches ein. Immer ist von “mittelständischen” Unternehmen die Rede, die aber immer geheim bleiben. Immer sind die Leute selbst erst seit kurzem bei XING und haben ein kaum ausgefülltes Profil geschweigedenn einen Werdegang. Zum Mäusemelken. Aber mitlerweile landen diese Mails einfach im Papierkorb.
Seit ich aber ein Blog betreibe, wird es wieder zunehmen persönlich. Nicht unbedingt im positiven Sinne. Nach langer Zeit ging ich auf diese – oftmals recht freundlichen und auch nicht so anonymen – Anfragen ein. Am Ende wurde dann doch schnell klar: Die Leute suchen junge, talentiere Leute, die sich über den Tisch ziehen lassen. Mit einem Jahresgehalt, dass nur knapp über dem liegt, was man zum Leben braucht und in Arbeitsverhältnissen, in denen keiner glücklich wird: OS-Zwang (als Entwickler?), Editor-Zwang (WTF?), Chefs die von sich selbst behaupten mal Programmierer gewesen zu sein, aber auf neumodischen Schnickschnack wie OOP, XHTML und Technologien wie AJAX, JSON und Komparsen lieber verzichten. Läden, in denen “Server” für Behördenprogramme aus vergilbten Desktoprechnern bestehen, die altersschwach vor sich her rattern. Ausgebrannten Kollegen, die jeglichen Enthusiasmus verloren haben. Nein, Danke.
Unter den vielen “Anfragen” kann ich die in Frage kommenden an einer Hand abzählen. Es waren genau zwei. Einmal hat es räumlich nicht geklappt, und einmal war ein anderer Job nicht viel – aber besser. Ich mag meinen Job. Und ich mag ihn da, wo er ist. Also bitte, liebe Abwerber: Lasst mich in Ruhe!